Vibrant Curiosity meets Spiegel.de Polemik

Der Unternehmer Reinhold Würth hatte seine Gäste um Diskretion gebeten, als er sie zum Stapellauf seiner 85 Meter Yacht „Vibrant Curiosity“ einlud. Wahrscheinlich wollte er provokante und polemische Berichte vermeiden, da der Stapellauf mit der Verkündung von Kurzarbeit in seinem Unternehmen zusammenfiel. Würth hatte allerdings seine Rechnung ohne die Bildzeitung des Internets Spiegel Online gemacht.

Spiegel.de berichtet groß über Kurzarbeit, Steuerstraftat und setzt diese in unmittelbaren Zusammenhang mit dem Kauf der Yacht um mit ausgestrecktem Zeigefinger zu sagen: „Seht her, im Betrieb verhängt er Kurzarbeit, sich selbst kauft er eine 100 Millionen Dollar Yacht“. Anscheinend muss man als Journalist bei Spiegel Online sein Hirn an der Eingangstür ablegen und durch reine Polemik ersetzen. Mit ein wenig Nachdenken hätte der Reporter auf die Idee kommen können, dass der Kauf bzw. die Bestellung der Vibrant Curiosity sicher mehrere Monate wenn nicht sogar Jahre zurück liegt, also evtl. vor der Finanzkrise. Von einem Journlisten erwarte ich in solch einer Situation dann eine Recherche (oder eben… vibrant curiosity), die genau der Frage nachgeht, ob die Krise und Kurzarbeit schon abzusehen war, als der Kauf erfolgte.

Alles andere ist billige Polemik.

12 Kommentare

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Friedhelm Knoche
29. März 2009 um 15:17

An wen muss man sich wenden, wenn man vor Gott und der Welt kein Recht
bekommt?

Kaspar
29. März 2009 um 16:20

Was den zeitlichen Unterschied zwischen Bestellvorgang und Auslieferung/Taufe der Yacht angeht, habe ich einen interessanten Hinweis entdeckt:
http://www02.wuerth.com/wuerth/go/media/en/pdf/gb-flyer2006.pdf

Siehe auch meinen Eintrag zu dem Thema:
http://naggen.wordpress.com/2009/03/28/dem-wurth-sein-boot

Meister
29. März 2009 um 16:30
– Als Antwort auf: Kaspar

Nun… „Vibrant Curiosity“ scheint 2006/2007 das Motto von Würths Kunstengagement gewesen zu sein.

Aber wenn man im Netz etwas recherchiert findet man außerdem auch Luftaufnahmen der Yacht, als sie noch im Rohbau war aus dem Sommer 2008 (2007laut EXIF). Was einen Auftrag 2006 (oder gar früher) wahrscheinlich macht. Aber sowas ist natürlich von einem Spiegel-Redakteur zu viel verlangt…

pieper
29. März 2009 um 20:16

Liebe Leute,
dies ist evtl. eine Investition in eine neue Branche.Wo sollte man denn sein Geld noch investieren.Bei den Banken, die es geschaft haben, ihre eigene Branche zu eleminieren. Zu dieser Pressemitteilung muß ich sagen:
Falsch Informiert und Hausaufgaben nicht gemacht.
PS: Bin kein Fan von AWKG, selbst rausgemobbt worden von den Heiligen. Aber Tatsachen sollten nicht verdreht werden. ALLES GUTE.

Ruven Wimmer
30. März 2009 um 12:44

Herr Würth ist ein knallharter Geschäftsmann. Im Gegensatz zu Herrn Schwarz (LIDL) sonnt sich Herr Würth gerne in der Öffentlichkeit und hat ein ungebändigten Drang sich als Samariter und Mäzen der Presse anzubieten. Nur nichts negatives berichten Ein Wolf im schafspelzxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxFidöftsm nm

Axel
30. März 2009 um 16:30

So sehr das Polemik ist, so unglücklich hat Herr Würth da agiert. Natürlich war das Schiff lange vor der Wirtschaftskrise bestellt worden und steht deshalb in keinem direkten Zusammenhang dazu. Aber er hätte zumindest die Einweihungsfeier absagen können.

Rüdiger Peuckert
10. April 2009 um 11:18

Herr Würth spricht vor seiner Belegschaft von Demut und Bescheidenheit . Er aber lebt in einer völlig anderen Welt, das ist ja gerade das was einem so erzürnt. Er hat den Bezug zur Realität völlig verloren. Und nur um Steuergelder zu sparen investiert er viel in Kunst. Man kann ja 50 % somit
Steuern sparen, die restl. 50 % steuert ja der Staat bei.

tutnixzursache
1. Februar 2010 um 11:25

Aber der Hammer is, britische Crew,britische Flagge,britischer Heimathafen und holländische Werft…und die deutsche Wirtschaft???? Herr Würth,bekannt als DEUTSCHER Unternehmer!!!!

Dee
9. September 2010 um 12:31

Urteile ohne Einblick zu fällen fällt nicht schwer, dass ein Magazin wie der Spiegel dies fördert stimmt bedenklich. Man sollte sich mal die Frage stellen, ob gering auswirkende Kurzarbeit nicht sogar ein relativ geringes Übel für die Beschäftigten ist.

Wie würde es sich auswirken, wenn statt Kurzarbeit ein Teil der Belegschaft gekündigt, mit neuen Verträgen oder ins Ausland verlegt wird?

Schande
12. Oktober 2010 um 15:23

Wenn einer auf hohem Niveau jammert, dann Herr Würth. Und ich frage mich echt, wieviel die, die hier pro Würth und gegen Spiegel sind dafür bekommen.

Student
17. November 2010 um 16:58

Man sollte erst mal ein paar Sachen unterscheiden, erstens Unternehmensvermögen und Privatvermögen und wenn man das macht, kann einem doch scheiss egal sein für was er sein Geld ausgibt, oder hört man in den ganzen Kommentaren ein bisschen Neid heraus?!
Und warum soll der Spiegel als links-sozial orientiertes Blatt nachrecherchieren, wenn das Ergebnis der Recherche keine soziale Ungerechtigkeit ans Licht bringen würde?!

tj
17. Juli 2011 um 11:50

Herrn Würth ist zu keinem Zeitpunkt ein Vorwurf zu machen. Er hätte die Yacht liebend gern von einem Deutschen Unternehmen bauen lassen, da jedoch die Steckplätze für Yachten in der größe bis ins Jahr 2011 alle belegt waren, blieb ihm zum Zeitpunkt seiner Bestellung garnichts anderes übrig als die Holländische Werft Oceanco. Denn diese waren die einzigen, welche das Know How besitzen und einen Bauplatz frei hatten.