ePostbrief und De-Mail – Zum Scheitern verurteilt!

Sichere und schnelle Kommunikation mit Behörden, rechtswirksame Kündigungen per E-Mail. All das sollen ePostbrief und De-Mail ermöglichen. Beide Dienste versprechen sich großen Erfolg und eine Vereinfachung der Kommunikation im 21. Jahrhundert. Prinzipiell sind die Bestrebungen zu begrüßen und es ist wohl unbestritten, dass es für sichere, nachvollziehbare und rechtswirksame elektronische Kommunikation einen Bedarf in der Bevölkerung gibt.

Doch bleibt es mehr als zweifelhaft, dass sich De-Mail oder ePostbrief wirklich durchsetzen werden. Man erinnere die Post an ihre Versuche vor knapp 10 Jahren die digitale Signatur (die all das ermöglichen sollte) durchzusetzen. Es kostete viel, brachte wenig Kunden und wurde bald eingestellt. Damals wurde gefordert, dass der Staat die qualifizierte elektronische Signatur fördert. Es geschah nichts. 10 Jahre später, kommt die qualifizierte elektronische Signatur für jeden mit dem neuen Personalausweis. Jeder wird sie haben. Einfach und schnell. Wozu also noch ePostbrief und De-Mail?

Aber die künftig stärkere Verbreitung von qualifizierten elektronischen Signaturen wird nicht der Sargnagel von ePostbrief und De-Mail sein. Sicherlich auch nicht, wer wann Zugriff auf die E-Mails nehmen kann und mit welcher Verzögerung die E-Mails aus den Systemen gelöscht werden. Das sind vielleicht Gründe, die einen Datenschützer dazu bewegen einen solchen Dienst nicht zu nutzen. In Zeiten von Facebook & Co schreckt dies Endkunden nicht mehr ab.

Aber in Zeiten des iPhones und des iPads kann ein Dienst nur erfolgreich sein, wenn folgende Eigenschaften gegeben sind:

  1. Es funktioniert „out of the Box“.
  2. Die Funktionsweise ist selbsterklärend.
  3. Der Dienst integriert sich nahtlos in einen modernen Workflow.

Diese drei Voraussetzungen erfüllen allerdings weder De-Mail noch ePostbrief. Die Anmeldung ist kompliziert, dauert lange. Wie das ganze funktioniert ist weitestgehend unklar. Man muss sich ausführlich damit auseinandersetzen. Spätestens an diesem Punkt werden schon zahlreiche resignieren. Darüber hinaus muss das System selbsterklärend sein. Jeder weiß wie er eine E-Mail verschickt. Er öffnet das E-Mail Programm seiner Wahl, sucht in seinem Adressbuch den Adressaten, schreibt den Text und klickt auf Senden.  Auch im Hinblick auf Behördenbriefe und Kündigungen will der Kunde nichts anderes. Warum also umständlich auf irgendwelchen Plattformen anmelden, mehrere E-Mail Systeme unübersichtlich parallel laufen lassen?

Ein weiteres Manko von ePostbrief und De-Mail ist die geringe Flexibilität. Viele besitzen personalisierte E-Mails mit eigener Domain, nicht nur in der Geschäftswelt. Warum also diese Pesonalisierung aufgeben gegen unschöne und providergebundene E-Mail Adressen, die sich kaum einer merken kann, wie @epost.de oder @gmx.de-mail.de? Diese Zeiten sind lange vorbei.

Der schwerwiegenste Punkt dürfte allerdings die Integration in den eigenen Workflow sein. In der Geschäftswelt läuft bereits heute alles weitgehend digital ab. Kalender werden elektronisch geführt, Termine und Besprechungen werden elektronisch per E-Mail mit Outlook oder Notes geplant und direkt im Kalender eingetragen. Das ganze aktuell synchronisiert mit Arbeitsrechner, Blackberry und privatem PC. Rechtssichere Kommunikation muss sich, um sich erfolgreich durchzusetzen, in dieses komplex vernetzte System integrieren. Der Geschäftsmann (und der Privatkunde erst recht!) will unterwegs nicht noch neben seinem Blackberry auf irgendeinem Onlineportal überprüfen, ob ein ePostbrief oder eine De-Mail angekommen ist. Er will sie, mit seinen regulären E-Mails auf seinem Blackberry, iPad oder PC. Alle zusammen in seiner Outlook-Inbox.

That’s the deal.

7 Kommentare

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Katharina Rosch
29. Juli 2010 um 08:16

Da ist viel Wahres dran. Mich ärgert es heute schon, dass ehemalige Behörden es nicht gebacken bekommen, meine Telefonrechnung an meine eigene E-Mail-Adresse zu schicken sondern sie offensichtlich zwischendurch wieder auf ihr Portal geht, wo ich mich umständlich einloggen müsste (ich habe die Daten nicht einmal). Also bekomme ich mit schöner Regelmäßigkeit keine Telefonrechnung.
Was für mich allerdings noch schwerer wiegt, dass ich als Bürger plötzlich komplett in der Beweispflicht bin, dass eine solch verifizierte Mail an mich nicht angekommen ist oder dass eine an eine Behörde geschickte D-Mail auch wirklich angekommen ist.
Ich frage mich immer noch: Wie kann man beweisen, dass etwas nicht gewesen ist?

derhecht
22. September 2010 um 09:33

@Katharina Rosch: Gute Frage.

Und grundsätzlich: Ja, ohne die Integration in bestehende System (E-Mail-Programme etc.) wird das wohl nix werden mit dem De-Mail/ePostbrief. Aber wer sagt, dass das nicht kommt? Fakt ist ja in der Tat, dass so etwas gebraucht wird und vielleicht wird eine Mischung aus beidem inkl. 5-10 Jahre Zeit + Entwicklungsarbeit ja die Lösung sein. Und deswegen habe ich mich auch bei ePostbrief angemeldet um zum einen das ganze mal selbst zu testen und zum anderen eine Adresse zu sichern, die vielleicht bald nicht mehr zu haben ist.

PS: Den „Gefällt mir“-Button sucht man hier wohl vergeblich… ;)

E-Postbrief – erste Eindrücke und Irritationen | dirk_s txts
20. Dezember 2010 um 11:32

[…] Beispiele: http://blog.chaosradio.ccc.de/index.php/2010/07/26/cr159-digitale-postkarten/ http://www.medien-gerecht.de/2010/07/29/epostbrief-und-de-mail-zum-scheitern-verurteilt/ http://www.netzpolitik.org/2010/de-mail-boykottieren/ und viele weitere mehr (am Besten mal die […]

lothar43
25. Dezember 2010 um 13:41

Der Epostbrief vereinigt in genialer Weise die Nachteile von Email und Briefpost in sich. Wer denkt sich einen solchen Blödsinn aus? Teuer und ineffizient. Email und Fax decken den Bedarf bereits vollständig ab. Man merkt schon am Riesenwerbeaufwand, dass hier erst noch der Verbraucher überzeugt werden muss, dass er dieses Produkt überhaupt benötigt. Ein Millionengrab!

c4harry
11. September 2012 um 12:33
– Als Antwort auf: lothar43

Na, na, na. Fax ist ja nun mit seiner Papierverschwebdung nicht gerade die Zukunftstechnologie. Ich nutze ePost und bin schon manchmal froh gewesen, ohne Briefmarke und Gang zur Poststelle einen Brief weg zu bekommen. Für das selbe Geld. Wer noch zur Post fahren muss, um auf dringliche Dinge zu reagieren, der legt doch zeit und Geld hin, die besser in die Einrichtung eines ePost-Account investiert würden.

Björn Thiemann
12. Juli 2011 um 16:19

Ich habe mich auch gerade einmal bei epost angemeldet, man höre und staune, das kostet schon mal nichts :-) Ich finde jedoch den Preis, der für eine ich sage mal handelsübliche E-Mail verlangt wird 0,55 Eurocent ganz schön unverschämt, ich könnte mir überlegen, das ich eine epost-adresse besitzte, in der ich selber steuern kann, wie wichtig mir eine Mail tatsächlich ist, z.B. wenn ich eine Bewerbung online versende, usw. dann könnte ich mir vorstellen auch einen kleinen Preis dafür zu bezahlen, weil es sich hierbei um sehr sensible Daten handelt. Hier ist jedoch vorausgesetzt, das mein Gegenüber ebenfalls ein epost-Konto besitzt. Hier wird jedoch Geschäftskunden, alleine für die Nutzung des Portals im Monat eine Grundgebühr abverlangt. Alleine dieser Punkt wird Firmen nicht dazu bewegen sich diesem Dienst zu zuwenden. Ich finde es jedoch sehr komfortabel ein Einschreiben auf dem elektronischen Wege verfassen zu können, werde dies wohl auch in Zukunft anwenden, wenn der Dienst nicht irgendwann eingestellt werden sollte, da er einfach zu teuer ist. Es wir kein unterschied gemacht, ob ich einen Postbeamten damit bemühe mir eine Briefmarke auf meinen Brief zu kleben, oder ob dies elektronisch geschieht, das finde ich schon alleine fehlerhaft!
Mal sehen was sich daraus entwickelt, habe mir jedoch gerade das nette Einführungsvideo mit „NinaWinter“ angeschaut, hierbei bemerkt man tatsächlich, das es sich um eine nicht ganz einfache Angelegenheit handelt. Meine Generation wird das sicherlich noch recht einfach handhaben können, aber ab 60 aufwärts wirds dann schon kompliziert.

Malimernst
30. Oktober 2011 um 09:53

Wie lässt sich angesichts der negativen Perspektive der hohe Werbeaufwand speziell der Post begründen?

Wieso werden von angeblich vernünftigen Menschen im Vortsand von Post und Telekom derartig hohe Kosten für die Bewerbung eines Produktes, das es nicht gibt und scheinbar nie geben wird abgenickt?

Banken verkaufen Produkte, die sie selbst nicht verstehen, Politiker beschließen Maßnahmen, deren Auswirkungen sie nicht abschätzen können und Bürger wählen und kaufen ohne nachzudenken!

Allesamt Idioten :-)))