Endlich ist Schluss mit der großen Tourheuchelei

ARD und ZDF haben nun endlich (wenn auch viel zu spät) den Schleudersitz betätigt und haben die „Tour de France„-Berichterstattung mit sofortiger Wirkung eingestellt. Hintergrund dafür war ein neuer Dopingfall im Team T-Mobile. Entgegen der Auffassung des Kollegen Siebers machen sich die beiden öffentlich-rechtlichen Sender alles andere als lächerlich. Im Gegenteil sie beenden eine lächerliche Farce über sauberen Radsport und unabhängige Berichterstattung durch ARD/ZDF.

Dieser Schnitt hätte eigentlich schon viel früher erfolgen müssen. Die Berichte über den Dopingarzt Fuentes vor einem Jahr hätten die Sendeanstalten ins Grübeln bringen und zensierte Beckmann-Interviews hätten alle Alarmglocken läuten lassen müssen. Aber das tat es nicht. Lieber wollten die Sender auf ihre Quote nicht verzichten und sich als Skandal-Reporter von der Front profilieren, nachdem Motto „Wir Deutschen tun alles für sauberen Radsport“. Mit dem neuen T-Mobile Skandal ist diese Farce entlarvt und die gebührenfinanzierte Urlaubstour durch Frankreich von ARD/ZDF und finanziell exklusiv gebundenen Radfahrern beendet. Schließlich sollte Rundfunkgebühren weder mittelbar noch unmittelbar dazu dienen, Doping im Radsport zu fördern. Das (vorübergehende) Ende der Live-Ãœbertragung ist natürlich nicht das Ende des Dopings bei der Tour de France. Aber damit setzt Deutschland endlich Maßstäbe gegen Doping im Sport und das Zeichen für andere Länder, Fernsehanstalten und vielleicht auch Sponsoren, das es schon lange behauptet zu setzen: Mit Doping keine Berichterstattung vom Profisport.

8 Kommentare

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Endlich ist Schluss mit der großen Tourheuchelei at Bluemac
18. Juli 2007 um 22:42

[…] Hinweis:medien-gerecht: Endlich ist Schluss mit der großen Tourheuchelei […]

MaxR
19. Juli 2007 um 12:56

Und wo bleibt das Recht auf mediale Grundversorgung – wo doch offenbar ein Riesenbedarf an Berichterstattung über das „Leiden“ offenbar unter Drogen stehender Sportler in den Reihen der Bevölkerung besteht?

Außerdem kann man durch Radsportübertragungen endlich mal unserer Jugend deutlich machen, wie sich der Einfluß von Drogen im Verkehr auswirkt: Der Eine fällt in der Kurve, der nächste rennt in einen Fußgänger, der Dritte überfährt gar einen Hund:
Reaktionsvermögen deutlich herabgesetzt! Eindeutig verkehrsuntüchtig!

Axel
19. Juli 2007 um 15:15

Was hat die Tour-Übertragung bitte mit Heuchelei zu tun? Wenn man bei jedem Sportereignis so derart überreagieren würde, dann dürfte im Fernsehen überhaupt kein Sport mehr gezeigt werden. In anderen Sportarten (Leichtathletik, Schwimmen, Fußball etc.) wird auch gedopt, und das nicht zu wenig. Einen Tag auszusetzen, um ein Zeichen zu setzen, wäre ja ok gewesen. Das Ganze aber gleich ganz abzubrechen, ist Unsinn.
Die vorangegangene Entscheidung hat auch nichts mit auf Quoten schielenden Sendern zu tun. Der ÖRR überträgt das, was die Leute interessiert, nicht mehr und nicht weniger. „Skandal-Reporter“ findest Du höchstens bei den Privatsendern (sofern sie noch nicht Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen sind). Und von einer „gebührenfinanzieren Urlaubstour“ kann schon gar keine Rede sein, zumal jetzt auch noch ein großer Teil des TV-Teams zurückfahren wird.

Axel
19. Juli 2007 um 15:47

… im Ãœbrigen läuft die Tour weiter. Offenbar versucht Sat.1, nach den jüngsten Sparankündigungen wieder beim Zuschauer zu punkten.

Sarah
19. Juli 2007 um 19:41

Sehr gut, dass Sat1 nun ausstrahlt, solch grandiose Leistungen sollten dem Zuschauer nicht vorenthalten werden, deutsche Bockigkeit und Sturheit, wie die der Öffentlich-Rechtlichen derzeit, ist keine Lösung.

Doping-Probleme müssen anders sinnvoller angegangen werden, zB zumindest für die nächsten Jahre konstente und lückenlose Kontrollen aller Fahrer sofort nach jeder Etappe/ jedem Rennen.

Axel
19. Juli 2007 um 20:03

Vor allem ist Doping ein stetiges und omnipräsentes Problem, das nicht nur den Radsport betrifft. Doping wird immer ein Wettlauf um neue Mittel und passende Tests sein.
Außerdem dauert es oft sehr lange, bis passende Testmöglichkeiten überhaupt vorliegen. Es hat z. B. rund 10 Jahre gedauert, bis ein Test für EPO gefunden wurde. Für Eigenblutdoping, das ja offentsichtlich im Fall Fuentes häufig eingesetzt wurde, gibt es bisher keine Nachweismöglichkeit. Lediglich Fremdblutdoping kann inzwischen nachgewiesen werden.
Das Problem beim Doping ist auch, dass die Pharmakonzerne nicht mit den Dopingkontrolleuren zusammenarbeiten. Diese müssen jahrelang forschen, um zu Ergebnissen zu kommen, dabei könnten sie durch Informationen der Pharmakonzerne erheblich schneller vorankommen.

medien-gerecht » Archiv » Sat.1: Für die Quote gehen wir auch über (Doping-)Leichen
19. Juli 2007 um 22:26

[…] werden die Nachrichten gestrichen und dann springt der Sender auf den von ARD/ZDF aus guten Gründen abgestellten […]

Bérenger
19. Juli 2007 um 22:32

Ich stelle mir vor, dass kein Sender mehr über irgendeine dopingverdächtige Sportart berichtet (also über keine mehr;-). Dann wären die Sportler nicht mehr akzeptiert, die Gelder würden versiegen, und man würde sich vielleicht fragen, ob statt Kampf der Phamaunternehmen ein echter Sport wieder mehrheitstauglich wäre…