Der 5 Minuten Qualitätsjournalismus von Spiegel Online

Qualitätsjournalismus ist sicher nicht einfach. Das gilt auch für Onlinemagazine wie Spiegel online. Insbesondere an einem Sonntagabend ist es besonders schwer. Dabei stand der gestrige Tag ganz im Zeichen der sozialen Ungerechtigkeit. Die Regierung verkauft 5,- Euro Erhöhung des Hartz-IV Satzes als „sehr gerecht“. Die Opposition, die Hartz-IV überhaupt erst dieser Republik eingebrockt hat, schäumt, dass die Erhöhung sozialer Kahlschlag sei. Dazu noch die vor kurzem bekannt gewordnene Boni-Auszahlung bei der HRE.

Doch man kann wohl Qualitätsjournalisten eines Onlinemagazins abverlangen, dass dies thematisch aufgegriffen und kontrovers dargestellt wird. Stattdessen werden dpa-Melden aufgerüscht und wohl im internen Archiv nach passenden tagesunspezifischen Artikeln gesucht die zum Thema soziale Kälte passen. So kommt es, dass Spiegel Online mit großem Aufreißer die „Quietscheentchen für Superreichen“ anprangert. Ein Bericht über die Megayachten der Megareichen, die von der deutschen Werft Lürssen hergestellt wird.

Der Bezug? Anscheinend der Versuch die soziale Kluft zwischen Arm und Reich darzustellen. Denn ein anderer Grund ist nicht ersichtlich. Der Artikel, der ursprünglich in der Augustausgabe des Printmagazin „mare“ erschienen ist, wird unter neuem Titel erneut veröffentlicht. Die Zweitveröffentlichung von mare Artikeln ist bei Spiegel Online nichts ungewöhnliches. Aber immer wieder schön, wenn sich ein Thema, mit einem neuen reißerischen Titel versehen, so schön und schnell in den aktuellen Kontext einbauen lässt.