iTunes Match – Keine „Legalisierung“ von Raubkopien

Die World Wide Developer Conference von Apple ist so etwas wie Weihnachten und Ostern zusammen für Apple-Geeks. Sie startet traditionell mit einer Präsentation durch Steve Jobs bei der neue Produkte (diesmal Mac OS X Lion, iOS5 und iCloud) vorgestellt werden gefolgt von einem begehrten „One more Thing“.

Das diesjährige One more Thing heißt iTunes Match und steht im direkten Zusammenhang mit dem Cloud-Service iCloud. iTunes Match durchsucht die iTunes-Bibliothek und stellt in der iCloud alle erkannten Titel zur Verfügung. Auch wenn diese nicht in Apple’s eigenem Music Store gekauft wurden.

Wa…? Hat Steve wirklich verkündet, dass User künftig aus den ganzen alten Napster-Mp3 mit minderwertige Qualität AAC mit bester Qualität macht? Also sozusagen „Raubkopierwäsche“? Diese Resonanz liest man aller Ortens.

Ich halte diesen „Jubel“ für verfrüht. Denn was hat Steve letztlich verkündet? Für 25 Dollar jährlich, werden die Musikstücke der iTunes Bibliothek in besserer Qualität als auf dem Mac für iPod, iPad und andere Devices zur Verfügung gestellt. Zu keinem Zeitpunkt war davon die Rede, dass die Songs dauerhaft ausgetauscht werden. Was passiert, wenn man aus diesem Abonnement aussteigt, ist nicht bekannt. Ich bezweifele, dass der Nutzer die qualitativ besseren Songs behalten darf.

Auch findet keine „Legalisierung“ von Raubkopien statt. Apple stellt dem Nutzer zwar qualitativ höherwertige Dateien zur Verfügung, das hat jedoch keine Auswirkung auf die eingeräumten Nutzungsrechte. Diese hat der Nutzer beim ursprünglichen Kauf vom Urheber bzw. Rechteinhaber bekommen. In Deutschland darf der Nutzer im privaten Gebrauch die Musikstücke dann auch auf Grundlage der Privatkopie nach § 53 UrhG kopieren und so neben dem Silberling auch auf dem PC, dem iPhone oder dem iPad hören. Ein neues Nutzungsrecht ist Nutzerseitig also nicht nötig. Aus diesem Grund findet auch durch iTunes Match keine „Legalisierung“ statt. Raubkopien bleiben auch mit iTunes Match Raubkopien. Raubkopien, die Apple mit iTunes Match an eine identifizierbare Apple-ID verbindet (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.).

Aber warum bekommen die Music Labels 70% der Einnahmen?

Das wird wohl ein wohlgehütetes Geheimnis von Apple und den vier großen Labels bleiben, aber dürfte eine Vergütung für den Service von Apple sein. Anders als Google, bietet Apple den Nutzern nicht dezidierten Speicherplatz, wo er seine Bibliothek hochladen kann, sondern Zugriff die bereits vorhandenen Kopien. In naher Zukunft könnte auch ein Streaming der Songs folgen. Diesen Kuchen werden sich die Labels nicht haben entgehen lassen wollen. Dank iTunes Match können die Labels zusätzliche Einnahmen generieren, ohne dass (derzeit) die Einräumung neuer Nutzungsrechte damit verbunden ist. Entschädigung für alle Raubkopien und  zusätzliche Abschöpfung bei allen die legale Kopien durch iTunes Match in die Cloud verlegen.

Von einer Legalisierung (oder auch einer Kulturflatrate) ist iTunes Match daher nach dem derzeitigen Kenntnisstand weit entfernt, es wird eher eine Art „Servicepauschale“ für die Bequemlichkeit sein, die eigenen Songs nicht in die Cloud laden zu müssen.

3 Antworten auf „iTunes Match – Keine „Legalisierung“ von Raubkopien“

  1. Eine Legalisierung ist es sicherlich nicht. Aber die Songs werden auch nach Ablauf des Abos verfügbar sein. Denn, wie Apple-Chef Steve Jobs es in seiner Demonstration auf der WWDC verkündete bekommt man:

    „Matched songs upgraded to 256 kbps AAC DRM-free“

    Kein DRM, kein Schutz, playable on any device. Die Songs kann man behalten.

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