Was nun … ZDF?

Die Causa Brender entwickelt sich zu einer unübersichtlichen Schlammschlacht. Schon lange geht es nicht mehr um die Frage, ob Nikolaus Brender als Chefredakteur des ZDF gute Arbeit geleistet hat oder nicht und daher sein Vertrag verlängert werden soll.

Abgesehen von Roland Koch hat die Qualitätsfrage keiner der Akteure öffentlich ernsthaft angesprochen. Weder Stefan Niggemeier für die FAZ, noch der Spiegel, noch Kurt Beck oder das ZDF. Warum auch? Die Frage ist schließlich nicht entscheidend. Unter der Causa Brender werden verschieden gewetzte Messer gezückt: Machtpolitik zwischen SPD und CDU, Politischer Einfluss auf ARD und ZDF, die Marktmacht von öffentlich-rechtlichen Rundfunk gegenüber der Presse und schließlich Bundeswahlkampf 2009. Es geht um alles nur nicht Nikolaus Brender.

Machtpolitik zwischen SPD und CDU
Da die beiden Parteien in den Verwaltungsräten der öffentlich-rechtlichen Anstalten sitzen und somit über die Personalien mitentscheiden, fallen diese Personalien in die übliche Machtpolitik der beiden Parteien. Welche ist die stärkere? Welche kann sich durchsetzen? Welche kann die Gunst der Stunde nutzen um der anderen eins „auszuwischen“? Aus diesem Gesichtspunkt ist die „Causa Brender“ nichts besonders, sondern lediglich eine weitere Karte, die man im alltäglichen Spiel der Machtpolitik einsetzen kann.

Politischer Einfluss auf ARD und ZDF
Daneben gibt es aber auch noch einen zweiten Faktor. Der Einfluss auf die Sender. Natürlich soll öffentlich-rechtlicher Rundfunk jedenfalls im redaktionellen Teil staatsfern sein, das garantiert schließlich Art. 5 GG. Doch schon die Geschichter über die Gründung des ZDF zeigt, dass Politiker versuchen, ihren Einflussspielraum so zu nutzen, dass der jeweilige Sender dann „wohlgesonnen“ ist. So haben die meisten Sendeanstalten der ARD den Ruf, dass sie doch eher „SPD-freundlich“ wären. Die Stimmenmehrheit der CDU im ZDF-Verwaltungsrat könnte also darauf hindeuten, dass man in der CDU überlegt, den Posten mit einem „CDU-Mann“ zu besetzen. Doch auch in seinem Interview mit Stefan Niggemeier verneint Koch, dass ein anderer Kandidat schon in Aussicht sei.

Marktmacht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
Die vielen Artikel zu dem Thema in der Presse weisen teilweise den Unterton auf, dass es auch um die Konkurrenz zwischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und privaten Medien geht. Gerade was die Informationsangebote im Internet angeht, herrscht ein verbitterter Kampf darum inwieweit gebührenfinanzierte Anstalten ihr Angebot online anbieten können. Das hat zwar direkt keinen Zusammenhang mit der Neubesetzung von Brenders Posten, doch scheint es eine Bereitschaft zu geben dies zum Vorwand zu nehmen um gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu wettern (etwa der Spiegel Artikel zur Finanzierung von Becks Geburtstag durch das ZDF).

Bundeswahlkampf
Der wichtigste Punkt dürfte allerdings sein, dass gerade der Bundestagswahlkampf beginnt. Da ist natürlich jede Partei daran interessiert besonders gut in den Medien zu stehen bzw. die andere Schlecht zu machen. Wenn es darum ginge besonders gut positioniert zu sein, müssten CDU und SPD eigentlich an einem Strang ziehen, denn Nikolaus Brender gilt als neutral und lehnt sämtliche Anfragen von Politikern ab. Der SPD könnte es eigentlich auch Recht sein, wenn man sich den Streit zwischen Schröder und Brender in der letzten Elefantenrunde in Erinnerung ruft.

Wenn es also nicht darum geht besonderen Einfluss auf das ZDF zu haben, dann könnte man der Kurt Beck vorwerfen, dass er seinen Kollegen von der anderen Seite des Rheins als skrupellosen Parteipolitiker darstellen will. Das ist A) einfach, weil das eh schon jeder glaubt und B) passt es gut in den Wahlkampf.

Conclusio
Kurt Beck hat gesagt „Es bewegt sich nichts“. Damit sieht es für eine Neuberufung von Nikolaus Brender für 2010 schlecht aus. Es ist aber auch öffentlich kein anderer Kandidat in Aussicht. Es wird sich daher etwas bewegen müssen, schließlich wird das ZDF nicht ohne Chefredakteur arbeiten können. Beck hat gewarnt, dass das ZDF durch die Diskussion Schaden nehmen könnte. Mit der Entscheidung dürfte er dann Recht behalten, wenn die Diskussion nicht zurück zu sachlichen Argumenten gebracht wird und die tatsächliche Leistung von Nikolaus Brender als solche bewertet wird.

Für Brender und die Unabhängigkeit des ZDF spricht jedenfalls das Engagement der Mitarbeiter des ZDFs wie etwa Claus Kleber oder Maybrit Illner, die sich öffentlich hinter die Arbeit ihres Chefs gestellt haben. Es bleibt abzuwarten, was auf der entscheidenden Sitzung am 27. März passiert. Höchstwahrscheinlich nicht viel. Bewegung dürfte wohl erst nach der Bundestagswahl ins Spiel kommen. Ob Brender das dann aber mitmacht?

2 Antworten auf „Was nun … ZDF?“

  1. Die Qualität wurde vereinzelt durchaus kritisiert. Ich verweise auf die taz, die in ihrer wöchentlichen Befragung Küppersbuschs eine vernichtende Kritik über Brender erhalten hat:
    http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/wie-geht-es-uns-herr-kueppersbusch-73/

    taz: Hessens Ministerpräsident Roland Koch will SPD-Schützling Nikolaus Brender als Chefredakteur des ZDF absägen.

    Habe unter WDR-Chefredakteur Brender gearbeitet und als unkollegial empfunden, dass er Politikerbeschwerden gegen unsere Sendung stattgab, ohne mit uns als betroffener Redaktion gesprochen zu haben. Einem eher bizarren Wunsch Schröders, meine Redaktion zu maßregeln, zeigte er sich besonders aufgeschlossen. Dass er später als Erster auf den fallenden Schröder drauftrat, fand ich sehr mannhaft. Von Schröder.

    taz: Macht Koch also Parteipolitik, oder ist das Brender-ZDF wirklich schlecht?

    Illners Talk und „Frontal“ gab es vor Blenders Amtszeit, „ZDF-Reporter“ war seine Innovation. In der ARD kamen im gleichen Zeitraum „Hart aber fair“, „Will“, „Maischberger“, „Schmidt“ hinzu. „Heute“ hat Quotenprobleme – die haben andere allerdings auch. Starke Impulse im ZDF gehen von der konkurrierenden Programmdirektion aus: Um „37 Grad“, die Histotainment-Schiene und viele „Abenteuer Wissen“- Produkte werden die Mainzer auch von Privaten beneidet. Dass nun Roland Koch als versierter TV-Kritiker auftritt, könnte Blender retten. Um den Preis, der überparteiliche Lieblingsjournalist von Kurt Beck zu sein. Gratulation!

  2. Die ARD „SPD-freundlich“ ?
    Mitnichten: Zwar wird dieser Vorwurf vereinzelt geäußert. So hat z. B. mal FDP-Vorbrüller Dirk Niebel den WDR 2005 in Hart aber fair des „Rotfunks“ bezichtigt. Auch bei Radio Bremen waren schon mal solche Vorwürfe zu hören. Allgemeingültig ist das aber nicht. Das wird besonders deutlich, wenn man sich die beiden Anstalten im Süden, den SWR und den Bayerischen Rundfunk anschaut. Hier dominiert klar der Hang zur Union.
    Und auch das ZDF, heute durchaus SPD-affin, ist eigentlich ein Kind der CDU.

    Was die Marktmacht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks angeht (die durch die neuste Radio-MA gerade wieder bestätigt wurde): Da versuchen die privaten Anbieter m. E. nur zu gerne, ihre qualitativen Schwächen mit der Stärke des ÖRR zu überdecken. Sie sparen an allen Ecken und Enden, aber der Zuschauer/-hörer soll bitte trotzdem zahlen. Und tut er das nicht, ist halt der öffentlich-rechtliche „Mitbewerber“ schuld.

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