Web 2.0: Der gläserne Nutzer

Die Forderungen nach geheimen Online-Durchsuchungen seitens des Innenministers stößt auf erhebliche Kritik. Die Entscheidung des BGH, dass solche Durchsuchungen derzeit nicht von der StPO gedeckt sind und auch nur unter hohen Hürden möglich sein sollten, stärken die Rechte des Bürgers. Doch ist in Zeiten des Web 2.0 die Diskussion nicht völlig illusorisch? Der durchschnittliche Web 2.0 Nutzer verzichtet weitgehend auf diese Rechte in dem er freiwillig persönliche Daten (mehr oder weniger) freizugänglich über das Netz streut:

  • Eintragung in min. einem „Netzwerk“ wie StudiVZ oder Xing mit umfangreichen Angaben
  • Nutzung von mehreren Messengern idR ICQ, AIM, MSN, Skype (die ganz harten nutzen noch Jabber)
  • Personalisierte Websuchen und Benachrichtigungsfunktionen
  • Problemlose Lokalisierung dank Places.com oder Ootay.de
  • und last but not least: Führen eines SecondLife.
  • Mit all diesen Möglichkeiten war es insbesondere Privaten nie leichter Informationen über Dritte ausfindig zu machen. Natürlich ergibt sich daraus noch keine Befugnis des Staates, diese Informationen auch tatsächlich zu verwerten, aber es ließe sich berechtigter Weise die Frage stellen, warum der Staat die Möglichkeiten nicht nutzen sollte. In der Diskussion um Online-Durchsuchungen sollte daher eigentlich der Datenschutz eine größere Rolle spielen. Aber für Datenschutz fehlt derzeit jegliche Sensibilisierung. Sie scheint auch nicht erwünscht.

3 Antworten auf „Web 2.0: Der gläserne Nutzer“

  1. Es ist aber doch ein ganz erheblicher Unterschied, ob ich aus freien Stücken persönliche Daten preisgebe und so Einfluss auf mein Bild in der Öffentlichkeit nehme oder ob der Staat heimlich auf meiner Festplatte schnüffelt.

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